UPDATE ist eine Bestandsaufnahme künstlerischer Gegenwart sowie als offenes Format mit Blick auf zukünftige Entwicklungen. Ohne kuratorische Vorgabe versammelt die Gruppenausstellung 91 aktuelle Positionen von Künstlerinnen und Künstlern des VBK.
Ulrike Damm unpublished yet, Papierobjekt, 25 x 46 x 10 cm, 2026
Die Welt ist aktuell auf dem Weg, geopolitisch, ökologisch und kulturell aus dem Gleichgewicht zu geraten. Unsere Zukunft scheint auf der Kippe zu stehen, wir spüren die Instabilität unserer kulturellen Identität wie lange nicht. Die Sehnsucht nach Sicherheit ist groß, denn der Boden unter unseren Füßen wackelt und wir bleiben mit einer wachsenden existenziellen Angst allein. Weil unsere hergebrachten Werte in Frage stehen, sind wir alle gezwungen, unsere Identitäten neu zu definieren.
Künstler*innen: Anja Eichler, anna.laclaque, Barbara Czarnojahn, Beatrix von Pilgrim, Corinna Rosteck, Franziska Rutishauser, Jens Kloppmann, Jürgen Kellig, Katrin Salentin, Lupe Godoy, Marion Jungeblut, Mone Schliephack, Nele Probst, Peter Hintz, Robert Schmidt-Matt, Ulrike Damm, Ute Richter Kuratorinnen: anna.laclaque / Mone Schliephack
Ulrike Damm Fixierungen > In diesen drei Tableaus untersucht die Schriftstellerin und Künstlerin Ulrike Damm, wie Schrift sich verhält, wenn Identität unter Druck gerät. Die drei Arbeiten basieren auf Stimmen aus ihrem Romanprojekt, welches drei Patientinnen einer Psychiatrischen Klinik um 1920 neu erzählt. Als unterschiedlich handschriftlich ausgeführte Texte sind diese Stimmen der Versuch einer Selbstbehauptung. Sie zeigen auch, was geschieht, wenn Sprache nicht mehr Ausdruck, sondern Mittel der Kontrolle ist.
Fixierungen Emma / Agnes / Jane Bleistift, Garn auf Papier, 2026, dreiteilige Serie, je 72 x 100 cm
Emma > Ich lerne Stillsein. Bin ein blödes, blasses, braves Mädchen mit einem zu dicken Kopf und dicken Haaren, die ich mir um den Hals wickeln will, mehrfach wickeln will ich meine Haare, und dann ziehen. Das konnte der Wolfgang gut, und der ist jetzt weg.
Wir lernen fleißiges Stillsein, durch Türen, die sich zu schnell schließen, durch Gitter vorm Fenster, die alles zerschneiden in Rechtecke und dann sagen, das ist Schutz.
Stillsein durch Augen ganz schwarz vor Blick, Augen, die entscheiden, ob wir krank sind oder unpässlich oder empfindlich oder hysterisch oder unzumutbar oder unheilbar oder nichts.
Ich glaube, die schwarzen Augen saugen das Unheilbare auf. Nein, ich bin sicher. Schwarz saugt alles auf. Auch die Sonne, meine Sprache, mein Symptom. Ich habe eine Nummer und alle, die eine Nummer haben, sind längst aufgesogen.
Agnes > Die Jacke trägst du immer. Manchmal ist sie zu warm. Das sagt die Luise: Die Jacke ist zu warm.Du merkst das nicht, darfst bloß nicht schwitzen, weil schwitzen Flecken macht. Dann kommt die Falschschaft und gibt sie nach unten. Dort wird sie im Keller gewaschen. Du bleibst solange im Bett. Luise bringt sie später, und du umarmst deine Jacke wie deine Mutter. Waschen ist nicht gut für sie. Das kann man sehen. Jeder kann das sehen. Die Frage ist, wer es sieht und wen es stört.
Das Garn färbt ein bisschen ab, und dann bildet sich ein Hof um die Buchstaben. Nicht bei allen. Aber das Blau zum Beispiel kann dann nicht mehr klar denken. Das Rot wird rosa und kitschig. Das hat deine Mutter gesagt. Die Männer sollen denken, und die Frauen nicht weinen und auf keinen Fall kitschig werden. Umarmen ist auch kitschig.
Die Männer sollen, und die Frauen sollen nicht.
Jane > Jeden Tag bereite ich mich auf etwas vor, das nicht kommt. Warum stehe ich auf? Warum wasche ich mir die Träume vom Körper, warum wähle ich aus, kleidemich an, bin irgendeine, die gesehen wird in irgendeiner Weise, warum?Ich richte mein Kreuz auf, mit Mühe, mit sehr viel Mühe, und will jemand sein, soll jemand sein: eine Frau, ein Star, eine Geliebte, eine, an die man sich erinnert, über die man lacht, die man hört, die man bewundert, wegen was, wegen was nur?
Warum dann erinnert man sich nicht? Oder doch, und an was oder wen? Ist es nur die Jane, die lacht? Nur das?
Warum muss ich meine Tränen selbst saufen, warum bleibt mir das Schluchzen im Hals stecken, warum muss ich es schlucken wie saure Milch? Wie lang muss ich mich zum grauen Himmel strecken, wie laut meine Stimme erheben, wie fleißig die Toilette richten, bevor oder damit mich andere sehen? Ich weiß es nicht: bevor oder damit? Damit was endlich geschieht? Was endlich? Geschieht was? Und wann?
Eine Textinstallation von Ulrike Damm vom 8. März bis 18. April 2026 in der Zionskirche Berlin
Ein Buchhalter stellt die schlichte Frage: Wie macht man es richtig im Leben? Aber auch: Kann man erlernten Zwängen entkommen. Und wenn ja: Um welchen Preis?
Mit einer skulpturalen Textinstallation spürt die Autorin und Künstlerin Ulrike Dammder psychischen Verfasstheit ihres Romanhelden nach. Dazu schrieb sie mit der Hand auf 25.000 Karteikarten ihren aktuellen Roman Die Poesie des Buchhalters ein zweites Mal. Entstanden ist ein raumgreifendes, begehbares Schriftwerk aus Literatur.
Foto: DANYLOPhoto:@corosteckFoto: DANYLOPorträtfotos: DANYLOFotos: Holger BiermannFoto: Steve Sabella
Philipp Wewerka und Gäste mit Ulrike Damm, Karita Guzik, Igor Levit und Stefan Ringelschwandtner
Fotos: Holger Biermann, 2025
Ausstellung Zum 60. Geburtstag von Philipp Wewerka präsentiert das Forum Gestaltung Magdeburg vom 10. Oktober 2025 bis 8. Februar 2026 die Ausstellung SELTENLAND – Philipp Wewerka und Gäste. Gezeigt wird erstmals eine umfassende Auswahl aus dem zeichnerischen Werk des Künstlers, der aus einer bedeutenden Künstlerfamilie stammt und als Autist eine ganz eigene Bildsprache entwickelt hat. Ergänzt wird die Ausstellung durch zeitgenössische Beiträge aus Literatur, Musik und Film.
Die Gäste: Ulrike Damm, Schriftstellerin und Künstlerin, schafft mit einer raumgreifenden Textinstallation eine visuelle Umsetzung ihres Romans Die Poesie des Buchhalters (Drava, 2025).
Stefan Ringelschwandtner zeigt mit dem Film Sunday Gaze eine berührende Schule des Hinsehens – Gesichter, die sich verwandeln, bis sie zu Spiegeln werden.
Karita Guzik, deren Lyrik der Ausstellung den Titel gab, ist mit Gedichten vertreten, die in eine Sprache führen, die fasziniert, gerade wenn sie sich entzieht.
Igor Levit, ergänzt die Ausstellung mit einer Videoinstallation: vexations, eine elfminütige Interpretation von Erik Saties radikal repetitiver Komposition, trifft auf monothematische Arbeiten Wewerkas und Ulrike Damms.
Gruppenausstellung im vbk (Verein Berliner Künstler) KuratorInnen: Corinna Rosteck, Simone Kornfeld, Yuki Ikutani
Silvia Bener · Iris de Boor · Christoph Damm · Ulrike Damm · David Dibiah · Norma Drimmer · Alex Dürr · Anja Eichler · Ute Faber · Merit Fakler · Ilka Forst · Michael Heyers · Yukihiro Ikutani · Michael Koch · Simone Kornfeld · Maria Korporal · Sebastian Kusenberg · Elisabeth Masé · anna.laclaque · Marianne Mettler · Elitza Nanova · Elke Postler · Birgit Ramsauer · Jens Reulecke · Corinna Rosteck · Peter Schlangenbader · Robert Schmidt-Matt · SOOKI · Andrea Streit · Susanne Weber-Lehrfeld · Angela Zumpe
PREVIEW
Fotos: Holger Biermann
PREVIEW, FILM SCREENING Freitag, 3. 10. 2025, 17 Uhr
Zum Ausstellungsprojekt IN TRANSITION – from performance to exhibition Dieses innovative Ausstellungsprojekt versteht sich als Labor für ein lebendiges Zusammenspiel der Künste. Malerei, Action Painting, Zeichnung, Skulptur, Video, Tanz, Live-Performance, Fotografie und Augmented Reality. Diese bilden Schnittstellen im Fokus künstlerischer Ausdrucksformen: Wann bleibt eine Aufzeichnung nur eine Dokumentation einer Darbietung und wann entwickelt diese eine autonome künstlerische Sprache?Wie werden Zugehörigkeiten sichtbar gestaltet, reflektiert und transformiert? Wie lässt sich Bewegung und Tanz in seiner Flüchtigkeit ausstellen? Wie können Performance und Bildende Kunst – seit Jahrzehnten in ständiger Überschneidung und Ergänzung – dargestellt, sichtbar und erfahrbar werden ? Mit Performances, Aktionen und Happenings von 35 internationalen Künstlerinnenvereint das Programm zeitbasierte Praktiken, Bildende Kunst und Medienkunst auf überraschende und inspirierende Weise. Besucherinnen sind eingeladen, Momente des Übergangs, der Transformation und deer Perspektivwechsel zu erleben – eine Verschmelzung von Live-Act und Ausstellung. Bildnerische Werke und körperliche Aktionen treten miteinander in Resonanz, eröffnen Dialoge im Raum und verwandeln die Ausstellung in ein durchlässiges Geflecht aus Bild, Bewegung und Präsenz – dort, wo Kunst und Performance koexistieren und Erfahrungen von Identität und Gemeinschaft sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich erfahrbar werden.
LIVE PERFORMANCES Samstags, 4./11./18. /25. 10. 2025, ab 18 Uhr
OPENING UND LIVE PERFORMANCES Samstag, 4. 10. 2025, 17–22 Uhr
Von der Unmöglichkeit, das Richtige zu tun Schreibperformance, Ulrike Damm
Bei ihrer Performance in der Galerie des VBK schreibt die Schriftstellerin und Künstlerin Ulrike Damm an zwei Tagen einen eigenen Text per Hand auf Seidenpapier.Der Text wird zum Bild und verwandelt sich in eine skulpturale Installation, bei der ein raumgreifendes Gefüge aus Sprache, Bewegung und Zeit entsteht.
Gruppenausstellung im vbk (Verein Berliner Künstler) Die neuen Mitglieder stellen sich vor: Bernadette Arnaud, Axel Bunt, Ulrike Damm, Saskia Glückauf, anna.laclaque.
Plakatgestaltung: Ulrike DammBei der Eröffnung von sechs mal grenzspiel am 15.8.2025. Das Buch Es will alles gut durchdacht sein, erschienen in der edition frölich, 2024, zeigt die komplette Bildserie. Fotos: Holger Biermann, BerlinLesung aus dem Buchhalter, Fotos: Holger Biermann
In der Ausstellung: Sechs mal Grenzspiel, vor der Arbeit von Ulrike Damm: Auch wenn es Unsinn ist. Lesung aus dem Roman: Die Poesie des Buchhalters, DRAVA 2025, Fotos: Holger BiermannWährend der Lesung in der lettrétage mit Marko Martin, Fotos: Holger Biermann
Mit Marko Martin, 2025, Foto: Holger BiermannMit Andreas Pflüger im Métropol Berlin, Fotos: Holger Biermann
Aktueller Roman 12,5 x 20,5 cm, 296 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, Leseband, 2024 ISBN 978-3-99138-101-3
DRAVA Verlag, Klagenfurt
Foto: Holger Biermann
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Es will alles gut durchdacht sein, auch wenn es Unsinn ist.
»Die Poesie des Buchhalters« ist ein Roman über Sinnsuche und Lebensglück.
Es ist keine große Sache, zu der sich der Buchhalter Justus Kratz hat hinreißen lassen, eher eine lässliche Sünde. Die allerdings bringt sein Leben gründlich ins Wanken, und es rollt die eine wesentlichste aller Fragen auf ihn zu: Wie macht man es richtig im Leben? Aber auch: Kann man erlernten Zwängen entkommen? Und wenn ja: um welchen Preis?
Dass Neugier eine Krankheit sein kann, wusste er nicht.
Schon der erste Satz des Romans versetzt uns, die wir lesen, in ein skurril-absurdes Universum.
Angefacht durch seine Verfehlung, beginnt der Mann an seinem Dasein zu zweifeln. Wir erleben, wie sich das durchgeplante Tagesgeschehen des Buchhalters in eine Groteske, und das lang gepflegte Pflichtbewusstsein in unbeherrschbare Impulse und kühne Mutmaßungen verwandeln.
> Poetisch, grotesk, brillant – Ulrike Damm ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literaturlandschaft! Joachim Scholl, Journalist und Literaturkritiker
> Ulrike Damm: Das ist fabelhafte Erlebnisliteratur für alle Sinne. Ich persönlich finde bomfortionös noch besser als fabelhaft. Aber das ist Geschmacksache. Andreas Pflüger, Drehbuchautor und Schriftsteller
Foto: DANYLOedition frölich, 13 x 19 cm, 88 Seiten, Abbildungen, Hardcover, Fadenheftung, Leseband ISBN 978-3-911192-06-2
Der Buchhalter Justus hat einen Umschlag geöffnet. Er war nicht für ihn bestimmt. Jetzt plagt ihn sein Gewissen und der Brief bleibt wochenlang unter der Matratze. Als Justus ihn schließlich liest, wird sein Leben anders, das alte verschwindet. Dieser Wandel kommt Justus durchaus gelegen. Es ist der Gegenentwurf zu seinem bisher schwunglosen Leben. Justus ist verwirrt. Er weiß nicht was kommt und sucht nach neuen Gewissheiten, gibt sich fragend und hoffnungsfroh dem Wandel hin.
Ulrike Damm verfasst Texte, dann schreibt sie sie ein zweites Mal, und es entsteht etwas Neues. In einer visuellen Übersetzung zeichnet sie – im doppelten Wortsinn – den Text nach. Auch diesen Text hat die Schriftstellerin Ulrike Damm ein zweites Mal geschrieben. Justus’ grotesker Sinnsuche folgen typografische Mittel und künstlerische Entscheidungen, die aus einer sicher geglaubten Ordnung – genannt Leben – einen herrlich absurd gestalteten Text und dieses besondere Buch machen.
Die Schriftstellerin und Künstlerin Ulrike Damm studierte Visuelle Kommunikation in Mainz. Seit 1984 arbeitet sie als selbstständige Designerin. Ihre erste Erzählung Ich bin nicht müde, ich bin verrückt und den Roman Musik stört beim Tanzen veröffentlichte Ulrike Damm 2019 in dem Doppelband unpublished. 2021 erschien als ihr drittes belletristisches Werk der Roman Kulp und warum er zum Fall wurde. Der Kunstband Zwei Wahrheiten des Schreibens erschien 2023 in der edition frölich. Ulrike Damm lebt, lehrt und arbeitet in Berlin.
Mit dem Autor Andreas Pflüger in der Lettrétage, Foto: Hong Thuy Tran